Thomas Dreßen in Lake Louise: Die Galionsfigur ist wieder daheim – Sport

Die grundlegende Technologie des Telefonierens hat sich seit einiger Zeit nicht wesentlich geändert. Ein Mikrofon wandelt das Gesprochene in elektrische Signale um, die per Kabel, Funk oder digital aus dem kanadischen Outback gesendet werden, wenn zum Beispiel der Eislerlohner Empfänger Marmeladenbrötchen auf den Frühstückstisch streicht. Vielleicht kann Skirennfahrer Thomas Dressen bald ein neues Patent zu dem Thema anmelden; Dressen schaffte es am Wochenende immerhin, Emotionen und Mimik hörbar zu machen. Als der 29-Jährige vom SC Mittenwald am Telefon sprach, dass “es sich anfühlte wie nach Hause zu kommen” (wörtlich: “es fühlte sich an wie ein Hoamkemma”) auf dem achten Platz der Winter-Erstbefahrung in Lake Louise – kann man sich schon ahnen ähnlicher Gesichtsausdruck.

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wie ist das Whamkema Was wie ein Abfahrtsskifahrer aussieht, können Sie es in knapp zwei Minuten Fahrzeit sehen. Dresen lief mit dem Stock vor dem Gesicht bergauf, Skier und Körper schaukelten mit rund 140 Stundenkilometern über das öde Gelände hin und her. Er steuerte breiter durch das kleine Kurvenlabyrinth an den Steilhängen, aber das ist Dressens Stil, so dass er in den langen Gleitpassagen gegen Ende ordentlich Fahrt aufnahm. Im Grunde wäre das alles keine Neuigkeit, wenn Dressen nicht zweieinhalb Jahre, manche davon 994 Tage, der WM ferngeblieben wären.

Und so stand Dressen “mega happy” da, zweieinhalb Jahre nach seinem ersten Knie-Totalschaden, einer Sportlerkarriere, die “auf den Knopf gespitzt” war, einem Mini-Comeback bei der WM 2021, einer weiteren schweren Operation am Knie, eine kleine Depression eine ewige Wickel-Auszeit-Phase. Nun war er allen seinen Teamkollegen vom Deutschen Skiverband (DSV) und vielen internationalen Tempo-Prominenten voraus. Der Tagessieger Alexander Amodat Killed war nur eine Sekunde entfernt So blieb schon vor dem Super-G am Sonntagabend die Frage, was überraschender war: Dass Dressen sofort wieder in die Weltspitze auftauchte – oder war das nicht wirklich überraschend?

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“Wenn er wieder fit ist”, sagte sein Trainer, glaubt er, dass Dressen “alles schaffen kann”.

Training und Rennen sind vor allem auf den betonharten Alpenhängen immer zweierlei, ebenso wie Spekulationen in der Politik und die Ergebnisse offizieller Wahlen. Umfragen unter sachkundigen Meinungsforschern müssen bereits gezeigt haben, was von Dressen zu erwarten ist. Romed Baumann, der 2021 Zweiter der Super-G-Weltmeisterschaft wurde und am Samstag Zehnter hinter Dressen wurde, hatte schon vor Saisonbeginn höchstes Lob für seinen Kollegen übrig: „Er ist ein Hund. Er fehlt seit fast zwei Jahren , steht seit zwei Tagen auf den Skiern und ist schon wieder entspannt und locker unterwegs. Aber er hat einfach seine Qualitäten.“ Immerhin eine Qualifikation, die Dressen fünf Weltcup-Siege beschert hat und als „Deutschlands bester Abfahrtsläufer aller Zeiten“ gefeiert wird, so sieht das zumindest DSV-Sportdirektor Wolfgang Mayer.

Ski Alpin: Freudenschreie in Kanada: Thomas Dressen landet nach fast 1000 Tagen Abwesenheit den ersten Weltcup.

Freudenschreie in Kanada: Thomas Dressen im ersten Weltcup-Abfahrtsrennen nach fast 1000 Tagen.

(Foto: Sergey Belsky/USA TODAY Sports)

Wenn in letzter Zeit mehr Geschick hinzugekommen war, war es fraglich, ob Dressen dieser Form bald wieder gerecht werden würde – wenn das Knie hielt. Dominik Schweiger, am Samstag Zwölfter in der Abfahrt, lobte Dresens mentale Belastbarkeit: „Er weiß, dass er da fahren kann“, das mache etwas mit einem – wenn man das Wissen nicht habe, greife man schnell zum Brecheisen und Schweiger sei weg meldet etwas. Josef Ferstol, Besitzer zweier Weltcup-Erfolge, staunte zuletzt darüber, wie schnell Dresen nach einer zweiten schweren Knie-Operation wieder in den Einsatz zurückkehrte, anstatt wie Ferstol im Januar auf die Piste zurückzukehren. Als er in Kitzbühel las, war Dressen zuletzt nicht verärgert darüber, dass sein Sponsor Red Bull ihm die Unterstützung gekündigt hatte: „Sie haben für viel Aufruhr gesorgt“, sagte Dressen. Es sprach für ihn, dass er es mit einem Scherz mischte: “Wie Sie sehen, trinke ich wieder Wasser.”

All das wirkt sich auch auf das DSV-Team aus, wie DSV-Abfahrtscoach Andreas Evers feststellte. Dresen stärkt nicht nur sich, sondern auch andere, wenn er sich auf einen Lauf vorbereitet, sich auf der Piste fertig macht und sich dann gleich auf den Ergometer setzt. Einer, der nicht nur ein Weltklasse-Auto fährt, sondern ein Zeichen setzt, ist auch für Nachwuchstalente wie Louis Voight vom SC Garmisch (der bei seinem WM-Debüt am Samstag den 51. Platz belegte) entscheidend. “Es dauert noch ein paar Rennen, aber wenn er wieder fit ist”, sagte Evers über Dressen, “vertraue ich ihm alles an.”

Wie endete DSV-Vorstand Wolfgang Mayer? “Wenn man ein Aushängeschild vor sich hat, wächst das Selbstvertrauen des ganzen Teams.” Immerhin eine Mannschaft, die trotz all ihres Talents immer ein bisschen Anlauf genommen hat, bis sie bereit für den Spitzenplatz war. „Als wir Neureuther hatten“, erinnert sich Maier, „hatten wir plötzlich ein technisches Team“ mit Fritz Doffer, Stefan Luitz und anderen. Und wenn die Besten verletzt waren: Man hat gesehen, wie das Selbstvertrauen sank, gerade in der Jugend. „Diese Dynamik“, sagte Maier, „ist riesig“, gerade in einer Gruppe, die so sehr davon lebt, sich gegenseitig zu stärken. Und dessen Galionsfigur nun nach Hause zurückgekehrt ist.

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