Sparkassen: Immobilienkredite brechen ein, Abschreibungen drohen | Märkte | 24.10.2022

Die baden-württembergischen Sparkassen verzeichneten einen massiven Rückgang der privaten Baufinanzierung. Aber auch auf der anderen Seite drohen Probleme.

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© EKH Pictures / stock.adobe.com

In den baden-württembergischen Sparkassen brach die private Immobilienfinanzierung um mehr als die Hälfte ein. Verbandspräsident Peter Schneider geht davon aus, dass sich der Trend abgeschwächt fortsetzen wird. Laut einem Bloomberg-Bericht signalisiert er zudem Vorsicht bei der Kreditvergabe an Unternehmen, warnt vor Deindustrialisierung und sieht die deutschen Bankerträge in schwierigem Fahrwasser.

Minus von mehr als 56 Prozent
Während die 50 baden-württembergischen Sparkassen im März dieses Jahres noch 1,56 Milliarden Euro an privaten Immobilienkrediten zusagten, waren es laut Schneider im September nur noch 0,69 Milliarden Euro. Das ist ein Rückgang von rund 56 Prozent in nur sechs Monaten – in einem Segment, das den Sparkassen traditionell ein stabiles Geschäft beschert.

„Wir kommen aus einem teilweise überfüllten Markt. Jetzt geht der Markt etwas zurück“, erklärt der Präsident der baden-württembergischen Sparkassen im Interview mit Bloomberg und verweist auf die folgende Grafik. Hohe Zinssätze, Lieferkettenprobleme und globale Krisen haben viele Bauherren und Käufer gleichermaßen abgeschreckt. Darüber hinaus war die Finanzierung vorweggenommen worden.

Massiver Niedergang

Licht und Schatten
Gerade im Neubau sei es jetzt schwierig, sagt Schneider, während bei Bestandsimmobilien „immer etwas möglich ist“. Preislich sieht er eine Stagnation und erste leichte Rückgänge im mittleren und unteren Bereich. Dies gilt jedoch nicht für Top-Standorte. Insgesamt ist die Nachfrage nach wie vor größer als das Angebot, weshalb Schneider nicht mit einem kompletten Stillstand der Finanzierung oder einem starken Rückgang der Immobilienpreise rechnet.

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Schneider verweist in diesem Zusammenhang auch auf die hohe Inflation, die traditionell die Nachfrage nach Sachwerten begünstigt. „Ich halte Immobilien nach wie vor für eine interessante Anlagemöglichkeit und als Absicherung gegen Währungsabwertungen“, sagt der Präsident.

Wenn er in sein eigenes Hypothekenbuch schaut, sagt Schneider, er sei entspannt. „Ich sehe keine großen Rückgänge“, sagt er. Ihre Sparkassen waren immer vorsichtig und finanzierten in der Regel maximal 80 Prozent der privaten Immobilien.

die Verlangsamung der Kreditvergabe an Unternehmen
Bei der Finanzierung von Unternehmen geben die Südwest-Sparkassen ordentlich Gas. „Bei der Kreditvergabe an Unternehmen verlangsamen wir derzeit die Kurve. Unser Neugeschäft wird im nächsten Jahr definitiv kleiner ausfallen als in diesem Jahr“, erklärt Schneider. Er geht davon aus, dass es insgesamt schwächere Bewertungen für Unternehmen geben wird, wenn der aktuelle Mix aus hohen Energiekosten und Lieferkettenproblemen anhält. “Es kommt, obwohl wir jetzt nichts davon sehen.”

In diesem Umfeld dürften einige Sparkassen bei der Kreditvergabe stärker auf Bestandskunden setzen und bei Neukunden zurückhaltender sein, sagt Schneider. „Einige Sparkassen werden sich aus bestimmten Geschäften zurückziehen müssen, die sie zuvor geschlossen hätten“, sagt er.

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Unternehmen verlagern die Produktion von Deutschland ins Ausland
Bei den Kunden ist bereits eine zunehmende Erschöpfung der Kreditlinien zu beobachten. Laut Schneider verwenden die Unternehmen die Mittel für Lagerhaltung und Liquidität – und weniger für den Ausbau der Produktion. „Wir wissen aus Gesprächen mit Kunden, dass einige ihre intensive Energie- oder Gasproduktion von Deutschland ins Ausland verlagern. Das sind erste Schritte zur Deindustrialisierung in einzelnen Branchen“, warnt Schneider.

Auf einer Handelsblatt-Konferenz im vergangenen Monat stellte Cornelius Riese, Co-Chef der DZ Bank, die Frage, ob es einen Prozess der fortschreitenden Deindustrialisierung gebe.

Massive Gewinnrückgänge in der Finanzbranche
Alles in allem hat Schneider warnende Worte für die deutschen Bankerträge. Die gesamte Branche wird in diesem Jahr in schwieriges Fahrwasser geraten.

Auch die baden-württembergischen Sparkassen müssen nach der diesjährigen Bilanz mit einem deutlichen Gewinnrückgang rechnen. „Ich rede nicht nur von minus 10 oder 20 Prozent, sondern wir rechnen mit einer Halbierung des Gewinns“, sagt er.

Wegen steigender Zinsen rechnet Scheider damit, dass seine 50 Sparkassen in diesem Jahr ihre Eigenanlagen auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag zurückfahren müssen. Auch wenn es sich nicht um tatsächliche Verluste im Sinne eines Ausfalls handelt, würden sie die Gewinn- und Verlustrechnung belasten.

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Andererseits sind höhere Zinsen positiv für das Zinsgeschäft. Allerdings ist das Neugeschäft in einigen Bereichen rückläufig, etwa bei Immobilien. Zudem müssen die Spareinlagen der Kunden über kurz oder lang wohl höher verzinst werden. „Unterm Strich wird der höhere Zinsüberschuss in diesem Jahr die Abschreibungen auf unsere eigenen Kapitalanlagen nicht kompensieren können“, ist Schneider zuversichtlich.

Konsolidierung bei den Landesbanken

Als Miteigentümer der LBBW beobachten die Südwest-Sparkassen die Entwicklungen bei den Landesbanken genau. Als “evolutionäre Entwicklung” bezeichnet Schneider den jüngsten Zusammenschluss einzelner Unternehmen.

So übernimmt die LBBW zunehmend das Zins- und Währungsmanagement für Sparkassenkunden und das Depotgeschäft für Spezial- und Publikumsfonds, während die Helaba zum zentralen Dienstleister für das Devisengeschäft und Edelmetalle wird.

All dies war für alle beteiligten Häuser sehr erfolgreich und wird dies auch weiterhin tun – wenn auch mit einer leichten Verzögerung. Jetzt geht es zunächst darum, die bereits vereinbarten Maßnahmen zu integrieren. „Angesichts der Unsicherheiten im Markt ist dies nicht der richtige Zeitpunkt, um andere größere Projekte anzugehen“, sagt Schneider. (huh)

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