„Safe“ von Caroline Link: „Das ist Erziehung, das machen wir nicht“

eEin Mädchen sitzt in einem Sandkasten und begräbt ihren kleinen Bruder. Zumindest symbolisch. Eine kleine Spielzeugfigur ist tief im Boden vergraben, damit niemand sie finden kann. Das Mädchen heißt Ronja, ist sechs Jahre alt und spielt in ihrer Arztpraxis. Es ist in einem großen Altbau in Berlin, voll mit Holzdielen, Kuscheltieren, Spielzeug und Trampolinen. Alles ist hier. Außerdem, zumindest was Ronza betrifft, eine gute Freundin. Denn die Therapeutin spielt mit, übernimmt die Stimmen der Figuren und verspricht, den Sandkasten benutzen zu dürfen, während das Mädchen ihn vorbereitet. Sie verspricht dann, dass sie, egal was Ronja tut, ihn immer “auf die gleiche Weise lieben” wird.

In einem anderen Raum steht der 15-jährige Sam mit einer Kapuze vor dem Fenster und kaut Kaugummi. Dort ist er bei seiner Pflegemutter – gegen seinen Willen. Sam mag es nicht, Spiele zu spielen oder zu reden. Er steckt sich Kopfhörer in die Ohren und versucht, den Raum, die Therapie, den Therapeuten auszublenden. Er wartet.

„Safe“ ist die erste Serie von Regisseurin Caroline Link. Wie bei Link üblich dreht es sich um Menschen und ihre wirren Gefühle. In den ersten Momenten der Serie denkt der Zuschauer nicht an das Werk des Oscar-Preisträgers, sondern wird an ARTE-Dokumentationen der 1980er-Jahre erinnert. Bella Halbeins Kamera scheint es einzufangen, wie das Kind sich zuerst schminkt und sich dann im Sandkasten mit Bildern kunstvolle Geschichten ausdenkt. Vor allem Netflix-Liebhaber fühlen sich in den ersten Minuten komisch, schließlich müssen sie sich gierig gedulden. An manchen Tagen sind sie es nicht mehr gewohnt. Ärzte und Zuschauer schauen Ronja beim Spielen zu und machen alles mit.

Link, der für seinen Film „Nirgendwo in Afrika“ einen Oscar gewann, lässt den Zuschauer den emotionalen Grundzustand von Therapiesitzungen erleben: Hoffnungen, die langsam und schnell auf Ungeduld stoßen. Erwartungen, bald einen Plot Twist oder zumindest einen Plot herausfinden zu wollen. Aber Therapie ist keine schnelle Kunst. Und es sind nicht Erwachsene, die mit ihren Problemen in die Therapie kommen. Der Link zeigt die Arbeit der Kinder- und Jugendtherapeuten Katinka und Tom. In der Serie behandeln Sie vier Kinder im Alter zwischen fünf und 16 Jahren. Sein “klares Verhalten” bringt ihn ins Handeln. Sie sind aggressiv, übermäßig aufgeregt oder haben Angst. Die Patienten kamen nicht freiwillig hierher. Ronja geht nicht zur Therapie, sie geht zum Spielen. Sam, der mehrere Pflegefamilien durchlaufen hat, muss in Therapie gehen, wenn er bei seiner jetzigen Familie bleiben will.

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“Das ist Bildung, das machen wir nicht”

Der Ansatz, den Link veranschaulicht, ist die Spieltherapie. Kinder werden begleitet, ohne ein anderes Verhalten zu suggerieren. Sie sollen beim Spielen Vertrauen zum Therapeuten aufbauen und sich so über ihre Gefühle im Klaren sein. Auch bei der kognitiven Psychotherapie mit Jugendlichen geht es nicht um eine tiefenpsychologische Analyse, sondern darum, einen Raum zu schaffen, in dem sie sich sicher fühlen und nachdenken können. Um es möglichst authentisch darzustellen, entstanden die Szenen in Zusammenarbeit mit den Therapeuten, die auch in die Dialoge eingreifen durften: „Ein Therapeut soll nicht mehr sagen, das ist Erziehung, das machen wir nicht“, sagt Link. die Beratungen beschreiben.

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Kinder und Jugendliche werden in acht Sitzungen in acht Episoden begleitet – jeweils 45 Minuten lang. Link erzählt ruhig die Geschichten der Patienten, während die Ärzte ihnen zuhören. Ob sie in der einen Minute eine Flasche wollen und in der nächsten schreien und Klamotten in den Raum werfen. Das Mantra sowohl für die Show als auch für den Therapeuten: „Sei nicht ungeduldig.“ Oder wie es ein Therapeut in der Show ausdrückte: „Beats wachsen nicht schneller, wenn man sie zieht.“

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Der Spagat zwischen der angestrebten Nähe der Therapeuten und der professionellen Distanz, die sie wahren müssen, wird durch die Kamera geschickt vermittelt. Sie hält einen gesunden Abstand zu Patienten, folgt ihnen aber zusammen mit Therapeuten von Ort zu Ort. Steh zu ihr, hör zu. Nahaufnahmen von Gesichtern und Händen werden von Link und Halbein subtil eingesetzt. Während Ronja davon erzählt, dass sie manchmal sehr verängstigt ist, bewegt sich die Kamera vorsichtig, streichelt ihr fast das Gesicht.

“Safe” Link schrieb eine Liebeserklärung an Kinder und Jugendliche. Sie selbst sagt: „Ich fühle mich Kindern sehr verbunden. Dieser Umgang mit der Kindheit treibt mich zu dieser Therapieform. Es geht nicht um ihr Verhalten, es geht nicht um ihr Verhalten, sie werden nicht reformiert, korrigiert, erzogen. Es geht darum, dass sie eine vertrauensvolle Beziehung zum Therapeuten aufbauen und so sein können, wie sie sind.“ Deshalb appelliert die Serie auch daran, mehr Raum für Therapie zu schaffen. In „Sicher“ führen Geduld und Verständnis zur Lösung. Therapie aber Angesichts des Platzmangels darf man in Deutschland ungeduldig werden.

“Safe” läuft ab dem 8. November jeden Dienstag um 20.15 Uhr auf “ZDFneo”.

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