Neue Impulse gesucht: Der DAX stagniert


Marktbericht

Stand: 17.11.2022 18:16 Uhr

Investoren suchen derzeit nach Orientierung. Die Zinserwartungen schwächen sich ab und neue Impulse sind nicht in Sicht. Der DAX schließt auf höherem Niveau.

Nach einer Rally um 2000 Punkte seit Ende September suchen die Anleger nun nach einer Richtung. Der deutsche Leitindex wechselte heute mehrmals sein Vorzeichen und schwankte zwischen 14.149 und 14.384 Punkten. Am Ende bewegte er sich mit einem bescheidenen Tagesgewinn von nur 0,23 Prozent leicht auf 14.266 Punkte.

Der MDAX, der Index für mittelgroße Werte, verlor 0,4 Prozent und schloss bei 25.509 Punkten.

„Händler scheinen ihre Long-Positionen zu liquidieren und die Macht der Folgekäufer wird zunehmend begrenzt“, fasst Frank Sahlder, Marktanalyst beim Handelshaus ActivTrades zusammen. “Das Ergebnis am Markt ist ein Patt, die Luft ist raus.”

„Nach einem fast 20-prozentigen Kursanstieg des DEX in sieben Wochen ist die Stabilität nichts Ungewöhnliches und immer noch gesund“, sagt Robert Hallor, Marktstratege bei der Bidder Bank. Allerdings wartet angesichts der relativ hohen Cash-Bestände noch viel Geld, das bei weiter verbesserten Aussichten den Gang an die Börse wagen und dann bis Ende des Jahres deutlich sprechen wird Raleigh, laut Hallor.

Siemens an der Spitze des DAX

Thema des Tages an der Börse waren positive Quartalsdaten des DAX-Schwergewichts Siemens, dessen Aktie als einziger DAX-Leader mit einem Tagesgewinn von rund 7,0 % aufwartete. Das Münchner Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2021/22 ein Rekordergebnis und steigert den Gewinn.

Der Umsatz im Industriegeschäft stieg um 17 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro und überschritt damit erstmals die Zehn-Milliarden-Grenze. Obwohl der Jahresüberschuss durch die Abschreibung bei der ehemaligen Tochter Siemens Energy Ende September bei 4,4 (Vorjahr: 6,7) Milliarden Euro lag, erhalten die Aktionäre 4,25 Euro je Anteilsschein. , das sind 25 Cent mehr.

Auch vom Motorenbauer MTU war Papierkram gefragt. Schlusslichter im DAX waren der Autozulieferer Continental und der Online-Händler Zalando.

Neue Emotionen fehlen

Der starke Anstieg der Aktien wurde durch die jüngsten Zinserwartungen der Anleger unterstützt, nachdem die US-Inflationsdaten zuletzt niedriger als erwartet ausgefallen waren. Dies lässt die Erwartung niedrigerer Zinserhöhungen der Notenbanken, allen voran der US-Notenbank Fed, aufkommen. Doch diese interessanten Effekte verschwinden nun langsam, während gleichzeitig neue Impulse fehlen, die den DAX nach vorne bringen könnten. Es riecht also gerade nach Stabilität.

Wie ihre Kollegen von der Commerzbank sehen auch die Experten der Helaba beim DAX derzeit Anzeichen einer „überkauften“ Marktsituation. Nach einer Verschnaufpause sind ihrer Meinung nach Fortschritte aus technischer Sicht nicht auszuschließen. Bei 14.596 Punkten sehen sie ein mögliches Kursziel, über dem in diesem Jahr das Juni-Hoch von 14.709 zu sehen ist.

Kein Rückenwind von der Wall Street

Auch in New York ziehen sich die Anleger nach der jüngsten Zwischenrally zurück. Nachdem der Nasdaq der Tech-Börse zuletzt um zehn Prozent gestiegen war, notiert er nach einem schwachen Auftakt aktuell um rund 0,9 Prozent im Plus. Zu den Nachteilen gehört jedoch eine gewisse Verzögerung der Ortszeit.

Der Leitindex Dow Jones hat sich von einem schwachen Auftakt inzwischen wieder etwas erholt und geht nur noch 0,4 Prozent schwächer in den Markt. Der marktführende Index S&P 500 verlor fast ein Prozent. Seit Dienstag nehmen die Anleger Gewinne mit. Zuvor war der Dow Jones aufgrund einer Verlangsamung der Inflation in den Vereinigten Staaten in nur einem Monat um fast ein Fünftel gestiegen.

Jüngste Äußerungen von Fed-Mitgliedern lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob die US-Währungsbehörden tatsächlich das Tempo ihrer Zinserhöhungen verlangsamen, wie der Markt erwartet. Neue Wirtschaftsdaten am Donnerstag waren nicht ganz so eindeutig: Die Daten vom Arbeits- und Wohnungsmarkt waren gemischt. Zudem zeigt die Umfrage der Zentralbank in Philadelphia eine unerwartet besonders schlechte Stimmung zum Geschäftsumfeld bei den Herstellern.

Euro etwas schwächer

Stabilität ist auch am Devisenmarkt angesagt, wo der Anstieg des Euro an Fahrt verliert. Die Gemeinschaftswährung rutschte unter die Marke von 1,04 $, aktuell bei 1,0325 $. Die Märkte sprachen von einer starken Nachfrage nach dem US-Dollar, was wiederum den Euro und mehrere andere wichtige Währungen belastete. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den Referenzkurs auf 1,0319 (Mittwoch: 1,0412) Dollar fest.

Zudem gerieten Inflationsdaten aus der Eurozone in den Fokus. Die Inflation in der Region erreichte im Oktober erneut ein Rekordniveau: Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 10,6 Prozent. Die in der ersten Schätzung angesetzte Inflationsrate wurde allerdings leicht nach unten korrigiert.

Melanie Debono, Ökonomin für Europa bei Pantheon Macroeconomics, schrieb: „Wir erwarten, dass die Inflation in der Eurozone ihren Höhepunkt erreicht hat, aber sie wird noch einige Zeit hoch bleiben.“

Das britische Pfund baute laut Finanzminister Jeremy Hunt seine Verluste gegenüber dem US-Dollar und dem Euro kurzzeitig aus. Hunt sagte in seiner Haushaltsrede, Großbritannien befinde sich bereits in einer Rezession. Die Inflation im Land erreichte zuletzt ein 41-Jahreshoch, auch bedingt durch Russlands Krieg in der Ukraine und den daraus resultierenden weiter steigenden Energiepreisen. Auch die britische Regierung will die Steuern erhöhen.

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Die Allianz will chinesische Vermögenswerte verwalten

Allianz CEO Oliver Bäte sieht in der Vermögensverwaltung für Kunden in China eine große Chance für sein Unternehmen. Chinesische Investoren müssen ihre Anlagen diversifizieren, sagte der Chef einer deutschen Versicherungsgruppe gegenüber Bloomberg TV. “Ich denke, wir können hier einen großen Beitrag leisten.” Bereits im Oktober hatte sich der Manager gegenüber den Medien positiv über die Zukunft Chinas geäußert. In anderen Bereichen und in der deutschen Politik wird derzeit die Abhängigkeit der heimischen Wirtschaft von China heftig diskutiert.

BASF setzt weiter auf China – Europa verliert an Bedeutung

Auch BASF-Chef Martin Brudermüller sieht China trotz zunehmender geopolitischer Spannungen als Wachstumsmarkt für den Chemiekonzern. Aber es gebe „rote Linien“, die auf lokalen Wertesystemen und Unternehmensgrundsätzen beruhen, sagte er dem „Handelsblatt“.

In China baut der Chemieriese derzeit einen neuen milliardenschweren Standort in der südlichen Provinz Guangdong. Europa hingegen werde laut Brudermüller als Standort immer unattraktiver, nicht nur im Vergleich zu China, sondern auch im Vergleich zu den USA und dem Mittleren Osten. „Europa verliert in vielerlei Hinsicht an Wettbewerbsfähigkeit. Seit einem Jahrzehnt wächst es nur noch schwach. Jetzt geht es noch weiter nach unten“, so Bredermüller weiter.

Verlässt VW die “Trinity”-Fabrik?

Der neue Volkswagen-Chef Oliver Blum hat den milliardenschweren Bau einer neuen Autofabrik neben dem Stammwerk in Wolfsburg auf den Tisch gelegt. Das Management plant die Markteinführung eines Fahrzeugs namens Trinity mit neuer Standardsoftware SSP. Aber die Frage ist, ob es dafür eine neue Fabrik braucht oder ob das Auto im Stammwerk Wolfsburg vom Band rollen wird. Ein Insider bestätigte, dass darüber diskutiert werde.

Südafrika fordert eine Rückerstattung von SAP

Eine Special Investigation Unit (SIU) in Südafrika hat den deutschen Softwarehersteller SAP zur Zahlung von umgerechnet 55 Millionen Euro verurteilt. Die Verträge zwischen SEP und dem staatlichen Stromversorger Eskom aus dem Jahr 2016 seien rechtlich nicht bindend und sollten annulliert werden, sagte SIU-Sprecher Keiser Cagnego der Nachrichtenagentur DPA. Laut Kganyago hat die südafrikanische Regierung die Unterzeichnung des Abkommens nicht genehmigt.

Das DAX-Mitglied SAP sieht sich seit 2017 Korruptionsvorwürfen bei Transaktionen mit südafrikanischen Behörden und Staatsunternehmen ausgesetzt. Anfang 2018 räumte SAP Unregelmäßigkeiten ein. Dabei ging es vor allem darum, ungewöhnlich hohe Provisionen in Millionenhöhe an Unternehmen einer damals regierungsnahen Unternehmerfamilie zu zahlen. Auch die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission ist in die Ermittlungen eingebunden.

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Die Briten entdeckten Lidl

Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten kaufen Verbraucher in Großbritannien beim Discounter Lidl ein. Im vergangenen Geschäftsjahr (bis Ende Februar) sei der Umsatz um 1,5 Prozent auf 7,8 Milliarden Pfund gestiegen, teilte die britische Lidl-Tochter mit. Vor Steuern verdienten vergleichbare britische Ketten Tesco und Sainsbury’s rund 41,1 (Vorjahr: 9,8) Millionen Pfund. Laut Marktdaten des Kanter-Instituts sind die Discounter Lidl und Aldi derzeit die am schnellsten wachsenden Lebensmittelketten der Insel.

Thyssenkrupp befürchtet einen Gewinnrückgang

Der Industriekonzern Thyssenkrupp will nach der Erhöhung im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/22 eine Dividende zahlen. Anleger erhalten 15 Cent pro Aktie. Dank starker Ergebnisse in der Stahlsparte und im Werkstoffhandel hat Thyssenkrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr sein operatives Ergebnis (bereinigtes EBIT) auf 2,1 Milliarden Euro verdreifacht. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 1,1 Milliarden Euro nach einem Verlust von 115 Millionen Euro im Vorjahr. Thyssenkrupp geht nach Erscheinen unter anderem deshalb von einem schwierigen Geschäftsjahr aus, weil die Stahlpreise in der Mitte gefallen sind.

Disney kauft das Kreuzfahrtschiff „Global Dream“ von MV Shipyards

Der US-amerikanische Disney-Konzern kauft das vormals als „Global Dream“ bekannte Kreuzfahrtschiff von der insolventen MV Shipyard Group in Wismar, teilte der Unterhaltungsriese mit. Es soll vor Ort in Mecklenburg-Vorpommern unter der Regie der Papenburger Meyer Werft fertiggestellt werden.

Das CTS-Event vervierfacht den Reingewinn

Ein wieder auflebendes Geschäft mit Live-Events und Konzerten hat dem Ticketverkäufer CTS Eventim einen deutlichen Gewinnsprung beschert. Unterm Strich stieg der Nettogewinn der ersten neun Monate von 31,5 Millionen Euro im Vorjahr auf knapp 129 Millionen Euro. CTS Eventim profitiert vor allem davon, dass das Unternehmen wieder Events wie Musik, Konzerte und Shows organisieren kann. Mit 1,4 Milliarden Euro lag der Umsatz für die Monate Januar bis September fast achtmal so hoch wie im noch von den Corona-Maßnahmen betroffenen Vorjahreszeitraum.

Morphosys reduziert Betriebsverluste

Der Verlust von Morphosys erhöhte sich in den ersten neun Monaten auf 480,5 (Vorjahr: 133,5) Millionen Euro, hauptsächlich aufgrund höherer Finanzierungskosten infolge der Neubewertung der Verbindlichkeiten von Morphosys infolge des stärkeren Dollars. Der Umsatz stieg um 55 Prozent auf 196,7 Millionen Euro, dank höherer Tantiemen- und Lizenzeinnahmen und eines stärkeren Geschäfts mit dem Krebsmedikament Monjovi.

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