Museum Barberini nach Kartoffelbrei-Attacke bis Sonntag geschlossen

Strenge Kontrollen wurden angekündigt

Das Barberini-Museum ist nach einem Anschlag auf Kartoffelpüree bis Sonntag geschlossen


Klimaaktivisten für eine Klimaschutz-Protestgruppe "die letzte Generation" am 23.10.2022 nach Sichtung der Zeichnung "Körner" (1890) von Claude Monet im Museum Potsdam Barberini und Kartoffelpüree.  (Quelle: Last Gen/AP)

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Nach dem Angriff von Klimaaktivisten auf Kartoffelpüree in Monets Gemälde wurde das Barberini-Museum zunächst geschlossen. Auch das Museum verschärfte am Montag seine Kontrolle.

Das Museum Barberini in Potsdam bleibt eine Woche geschlossen. Die Schließung sei auf Geheiß von Barberinis Nachfolger Hasso Plattner erfolgt, sagte Museumsdirektorin Ortrud Westheider dem rbb am Montag. Man wolle sich mit anderen Museen austauschen, die ebenfalls Angriffe erlebt haben.

Nachdem Klimaaktivisten Claude Monets „Grainstacks“ (1890) angegriffen haben, hat das Museum die Besucherbeschränkungen ausgeweitet. „Im Rahmen verstärkter Sicherheitsmaßnahmen werden Taschenkontrollen durchgeführt“, sagte eine Museumssprecherin am Montag dem rbb. Außerdem dürfen nur Taschen bis maximal DIN A4 in die Ausstellung mitgebracht werden.

Nach Angaben der letzten Generation, die für den Klimaschutz protestiert, haben ein Mann und eine Frau am Sonntag Kartoffelpüree auf dem Gemälde verschüttet. Die Organisation forderte die Politik auf, wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen. Die glänzende Statue wurde nach dem Angriff untersucht und war laut Museum unbeschädigt.

Museumsdirektor: Der Rahmen bedarf einer umfassenden Restaurierung

Das Gemälde sei unversehrt geblieben, weil es durch eine Glasplatte geschützt sei, aber der Bilderrahmen und die umlaufenden Wände seien beschädigt worden, sagte die Direktorin des Barberini-Museums, Ortrud Westheider, dem rbb. „Es ist ein historischer Rahmen, geschnitzt aus dieser Zeit und von Monet. Das Gold und der Stuck sind durch die Feuchtigkeit verblasst und müssen gründlich restauriert werden.“

Fünf bis sechs Jugendliche hätten diesen Akt zusammen gemacht. Zwei hätten das Gemälde mit Kartoffelpüree beworfen, andere hätten Fotos gemacht und in einem anderen Raum Alarm geschlagen, sagte der Museumsdirektor. Westheider erklärte, er prüfe die Schadensersatzansprüche der Beklagten gemeinsam mit Anwälten der Hasso-Plattner-Stiftung. Die Höhe des Schadens ist unklar.

Klimaaktivisten haben sich neben das Foto gepflastert

Zum Zeitpunkt des Angriffs trugen die beiden Klimaaktivisten laut einem Museumssprecher übergroße Umhängetaschen, die nicht in die Ausstellung gebracht werden durften. “Geklebte Kartoffeln wurden in kleine Behälter gelegt, von denen man nicht denken konnte, dass sie am Körper getragen wurden, ohne gesehen zu werden.”

Die Polizei ermittelt gegen zwei Verdächtige wegen Vandalismus und Hausfriedensbruch, sagte ein Polizeisprecher. Ihnen wird vorgeworfen, das Gemälde am Sonntagnachmittag mit gelber Flüssigkeit besprüht zu haben. Dann hielten sich die beiden mit je einer Hand um das Bild herum.

Die Stiftung des Museumsgründers und Milliardärs Hasso Plattner erwarb 2019 in New York ein Gemälde von Monet für rund 111 Millionen Euro. „Herr Plattner war tief betroffen“, sagte eine Museumssprecherin. “Wir schlängeln uns um ihn herum.”

Plattner: Kreditgeber zu überzeugen wird künftig schwieriger

Das Museum werde sich umgehend mit allen Gläubigern in Verbindung setzen, sagte Plattner der Zeitung „Potsdamer Neueste Nachrichten“. [Bezahlbeitrag] Die Surrealismus-Ausstellung ist seit Samstag im Barberini mit Leihgaben aus 50 Museen und Privatsammlungen zu sehen. Plattner sprach von der Gefahr, dass es in Zukunft “schwierig, wenn nicht gar unmöglich” sei, Leihgeber von den Ausstellungen im Museum Barberini zu überzeugen.

Auch der Deutsche Museumsbund (DMB) warnte am Montag vor negativen Folgen für die Kunstwelt. „Sofortiger Kunstgenuss wird es so schnell nicht geben – da geht es hin“, sagte der Sicherheitsexperte der DMB und der Hasso-Plattner-Stiftung, Remigiusz Plath, am Montag der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden von Klimaaktivisten benutzt, um Aufmerksamkeit zu erregen – auf Kosten von Kulturgütern.“

Als Sicherheitsmaßnahme empfiehlt der Museumsverein, die Kunstwerke hervorzuheben und mehr Personal einzustellen, erklärte Plath. Das Polieren großer Formate ist jedoch überhaupt nicht möglich. Lediglich eine Glasscheibe konnte vor das Gemälde gehängt werden. „Und diese Schritte kosten, wie viele Arbeiter, viel Geld – und das können sich nicht alle Museen leisten“, so der Experte. “100%ige Sicherheit hat man nur, wenn der Arbeitsplatz im Keller des Depots ist.”

Lederer verurteilt Angriffe auf Kunstwerke

Berlins Traditionssenator Lederer (Die Linke) reagierte mit Unverständnis auf den Angriff. „Eine Frage ist eine Rechtsfrage – das entscheiden die Strafverfolgungsbehörden“, sagte er am Montag im Abendprogramm von rbb 24. Er sieht die Sorgen der Klimaprotestierenden als berechtigt an, das kann er immer nachvollziehen. Die zerstörerischen Kunstwerke entziehen sich jedoch seinem Verständnis.

Dahinter steht der Gedanke „Ich werde dich zwingen, es zu bemerken“. Das Verständnis werde dadurch nicht gesteigert, sagt Lederer. Politiker müssen jedoch das Bewusstsein für das Konzept „Wir hören Sie“ schärfen.

Ausstrahlung: rbb24 Inforadio, 24.10.2022, 12:15 Uhr

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