Medikamente: Apotheker warnen vor Lieferengpässen

Stand: 19.11.2022 11:17 Uhr

Der Apothekerverband warnt vor einem anhaltenden Engpass bei der Versorgung mit vielen Medikamenten. Grund ist die starke Abhängigkeit von Asien. Der Verband will das Produkt nach Europa verlegen – die Pharmakonzerne sind damit nicht einverstanden.

Kinderfiebersirup, Hustenmittel, Blutdruckmittel, Brustkrebsmittel oder Magensäureblocker: Wer ein bestimmtes Medikament in der Apotheke haben möchte, wird gelegentlich auf Probleme stoßen. Denn Lieferengpässe reduzieren das Angebot – Kunden finden oft ein Alternativprodukt, das nicht ihre erste Wahl ist. Apotheker sehen die Engpässe mit Sorge.

„Die Lage ist dramatisch“, sagte Thomas Preece, Vorsitzender des Apothekerverbandes Nordrhein. In seiner mehr als 30-jährigen Tätigkeit hatte er so etwas noch nie erlebt. Ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Apotheker (ABDA) spricht von der “großen Herausforderung”. Derzeit verlasse niemand die Apotheke „unversorgt“, aber: „Eine medikamentöse Behandlung, die mit verfügbaren Medikamenten noch möglich ist, kann zu Qualitätseinbußen führen.“

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Als Beispiel für einen Hemmstoff nennt Price den Wirkstoff Pantoprazol, der zur Behandlung von Magenproblemen eingesetzt wird. Da Pantoprazol-Präparate nicht erhältlich sind, sollte auf Omeprazol umgestellt werden. Allerdings hat dieser Wirkstoff mehr Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Der Preis ist besorgt über das kommende Jahr. “Wir erwarten, dass Lieferengpässe zunehmen werden.”

“Es stellt keinen Versorgungsengpass dar.”

Dagegen sagt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), „es gibt keine Anzeichen für eine Verschlechterung der Gesamtversorgungslage in Deutschland“. Aktuell bearbeitet die Behörde rund 300 Meldungen über Lieferengpässe – bei rund 100.000 zugelassenen Arzneimitteln in Deutschland. Es gibt jedoch Alternativen zu vielen schwächeren Medikamenten. „Deshalb darf ein Versorgungsengpass nicht gleichzeitig ein Versorgungsengpass sein“, betonte der Beamte. Derzeit gibt es nur etwa zehn Berichte zu versorgungskritischen Wirkstoffen.

Apotheken und Gewerkschaften sehen die Globalisierung als Ursache für Engpässe. Laut einer Studie des pharmazeutischen Verbandes vfa befinden sich 68 Prozent der Produktionsstätten für Wirkstoffe für Europa im kostengünstigeren Asien. Kommt es zu Produktionsproblemen, Verunreinigungen oder Produktionsausfällen, betrifft dies auch Deutschland.

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Vor einigen Jahrzehnten wäre der aktuelle Versorgungsengpass unvorstellbar gewesen, kritisiert Apotheker Preis. “Deutschland war die Apotheke der Welt, heute sind China und Indien die Apotheken der Welt.” Seiner Meinung nach ist es wichtig, möglichst viel Produktion nach Deutschland zu holen.

Holetschek fordert EU-Produktion

Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holschcheck, der von der Bundesregierung fordert, das Konzept zur Förderung von mehr Arzneimittelproduktion in Europa weiterzuentwickeln, meldet sich. „Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland und die gesamte EU bei Medikamenten sehr abhängig von China oder Indien sind. Allein China ist für 40 Prozent der weltweiten Antibiotika-Exporte verantwortlich“, sagte ein CSU-Politiker der Nachrichtenagentur DPA.

Holchek erinnerte daran, dass die negativen Auswirkungen der Sucht in den letzten Jahren auch in Deutschland zu sehen waren: „Nicht nur für Kinderfieber, sondern teilweise auch für die Brustkrebsbehandlung und Allergiemedizin standen sehr wichtige Medikamente zur Verfügung Ende. .”

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Die Resistenzgefahr

Holeshek warnt davor, dass die Abhängigkeit von China andere Folgen hat. „Wenn beispielsweise Antibiotika nur in Ländern mit geringem Produktionsniveau produziert werden, fördert dies die Möglichkeit von Resistenzen gegen diese Antibiotika.“ Grund dafür sind Antibiotika, die bei der Herstellung in diesen Ländern ins Abwasser gelangen. Dadurch können Bakterien Abwehrmechanismen gegen sie entwickeln, also resistent werden.

Doch der Wunsch, das Produkt aus Asien nach Europa zu bringen, stößt in der Pharmaindustrie auf Widerstand. „Produktionsstätten in Indien oder China, von denen wir einkaufen, werden nach europäischen Standards geprüft“, sagt Peter Goldschmidt, Vorstandsvorsitzender des Pharmariesen Stada. Zudem dürfte es in Europa zu Ausfällen und Engpässen kommen, während die Arzneimittelkosten steigen werden. “Die Preise würden explodieren.”

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