Heidelberg: Prozess um Missbrauch im Sport: Zuhören gefordert

Heidelberg
Urteil über Missbrauch im Sport: muss gehört werden

Eine Figur der blinden Gerechtigkeit.  Foto: Christoph Schweder/dpa/Symbolbuild

Eine Figur der blinden Gerechtigkeit. Foto

© Christoph Soder/dpa/Symbolbild

Als Trainer in Sportvereinen können pädosexuelle Männer relativ leicht auf Kinder zugehen, die auf sie angewiesen sind. Solche Vorwürfe muss sich nun ein Heidelberger Rugby-Trainer stellen.

Die Offenlegung jahrelanger Misshandlungen durch den Turner Jan Hempel durch seinen Trainer ist nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer sexueller Gewalt gegen Kinder im Vereinssport sei hoch, weil dieser sehr familiär strukturiert sei, sagt Julia Hollnagel, die unabhängige Anlaufstelle für Gewalt und Missbrauch im Spitzensport. Hinweisen auf Missbrauch wird nicht nachgegangen, um das Ansehen des Vereins nicht zu schädigen.

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“Bisher gibt es im Sport keine Kultur des Sprechens über Gewalt und keine Kultur des Zuhörens”, heißt es in einer Veröffentlichung der Unabhängigen Kommission für sexuellen Missbrauch von Kindern. Eltern sollten herausfinden, ob es Schutzmaßnahmen gegen Missbrauch gibt, bevor sie ihr Kind im Club anmelden. Es ist wichtig, genauer hinzuschauen.

Im Fall eines mutmaßlichen Rugby-Trainers in Heidelberg meldete sich ein Junge bei seinen Eltern, woraufhin Ermittlungen gegen den 48-Jährigen eingeleitet wurden. Dem Mann droht nun vor dem Landgericht Heidelberg eine Anklage wegen schwerer sexueller Nötigung. Der Grund: Laut Anzeige habe er „mehrmals Kinder und Jugendliche zu sexuellen Handlungen in seiner Gegenwart aufgefordert und in einem Fall sexuelle Handlungen an einem Kind vorgenommen“. Der Mann in Untersuchungshaft trainierte Kinder- und Jugend-Rugbymannschaften. Heidelberg ist ein Rugby-Hotspot mit mehreren Vereinen in der Bundesliga.

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Die vier mutmaßlichen Opfer waren zum Tatzeitpunkt zwischen 12 und 15 Jahre alt. Die Strafe für Kindesmissbrauch liegt zwischen 2 und 15 Jahren.

Im Südwesten sind solche Vorfälle keine Seltenheit. Sexuelle Belästigung im Sport wird nicht separat gemeldet, sondern in die Kategorie der Beziehungen der Opfer zu Organisationen oder Gruppen aufgenommen. Dazu gehören Schulfälle. Von insgesamt 1371 Fällen im Jahr 2021 lag die Zahl der Opfer sexueller Übergriffe in dieser Kategorie bei 68. 2018 waren von insgesamt 1282 Kindern 108 betroffen.

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Laut dem von der Ersten Anhörung und Untersuchungskommission ausgewerteten Bericht geht sexuelle Gewalt von Ausbildern, Vorgesetzten oder Fahrern aus. Opfer haben Übergriffe in Fitnessstudios, Umkleidekabinen oder auf Reisen zu Wettkämpfen gemeldet. Sie beschreiben starke Hierarchien, starke Abhängigkeiten und Machtmissbrauch durch Erwachsene in verschiedenen Leistungssportsystemen in der Bundesrepublik und der DDR. Nach Angaben der Kommission stoßen Opfer in ihren eigenen Vereinen immer noch häufig auf Unverständnis und Ablehnung.

Der Heidelberger Prozess wird voraussichtlich hinter verschlossenen Türen stattfinden.

DPA

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