Geburtsmethode beeinflusst Mikrobiom und Impferfolg

Die vaginale Geburt legt den Grundstein für ein gesundes Mikrobiom für Neugeborene. Das wiederum ist wichtig für das Immunsystem. Eine Studie zeigt nun, dass auch die Art der Geburt und die damit verbundene bakterielle Besiedlung des Darms Einfluss darauf haben, wie gut Kinder später auf Impfungen ansprechen. Demnach lassen sich bei vaginal geborenen Babys nach den jeweiligen Impfungen mehr Antikörper gegen Pneumokokken und Meningokokken nachweisen als bei per Kaiserschnitt geborenen Gleichaltrigen. Die Ergebnisse könnten helfen, spezielle Programme für Kaiserschnitt-Babys zu entwickeln, die die Entwicklung einer gesunden Darmflora und eines starken Immunsystems fördern.

Auf ihrem Weg durch den Geburtskanal erhalten Neugeborene von ihrer Mutter viele hilfreiche Bakterien, die die Grundlage des kindlichen Mikrobioms bilden. Im späteren Leben wird die Zusammensetzung der bakteriellen Darmbewohner von vielen weiteren Faktoren beeinflusst: Bekommt das Baby Muttermilch oder Flaschennahrung? Muss es mit Antibiotika behandelt werden? Und in welcher Umgebung wächst es? All dies bestimmt, welche Bakterien wie stark im Darm des Kindes vorhanden sind. Die Bakteriengemeinschaft wiederum trägt zur Gestaltung des Immunsystems bei.

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Vaginal oder Kaiserschnitt?

Ein Forscherteam um Emma de Koff vom Universitätsklinikum Utrecht in den Niederlanden hat nun untersucht, inwieweit Geburtsmethode und Mikrobiom beeinflussen, wie gut Kinder auf Impfungen ansprechen. Dazu entnahmen sie 120 Neugeborenen, die entweder vaginal oder per Kaiserschnitt geboren wurden, zu unterschiedlichen Zeitpunkten Stuhlproben, mit denen sie das Darmmikrobiom untersuchten. Anhand von Speichelproben nach zwölf und 18 Monaten bestimmten sie auch, wie viele Antikörper die Kinder als Reaktion auf zwei frühkindliche Impfungen gebildet hatten: die Pneumokokken-Impfung, bei der gemäß der niederländischen Impfempfehlung die erste Dosis nach zwei Monaten verabreicht wurde Alter, letzteres im Alter von elf Monaten und der Meningokokken-Impfstoff, der Kindern im Alter von 14 Monaten verabreicht wird.

Das Ergebnis: „Die vaginale Entbindung war als Reaktion auf beide Impfungen mit höheren Antikörperspiegeln assoziiert“, berichten die Autoren. Die stärkere Immunantwort wird offenbar durch die bakterielle Besiedlung in den ersten Lebenswochen vermittelt: Vaginal geborene Kinder hatten eine Woche nach der Geburt deutlich mehr Bifidobakterien und Escherichia coli im Darm als per Kaiserschnitt geborene Kinder. Obwohl sich die Darmflora im Laufe der Zeit so anpasste, dass es im Alter von zwei Monaten – zum Zeitpunkt der ersten Impfung – fast keine Unterschiede zwischen der Darmflora von vaginal und per Kaiserschnitt geborenen Kindern gab, fanden die Forscher einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Bakterien Besiedlung in der ersten Woche nach der Geburt und späteres Ansprechen auf Impfungen.

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Die Bakterienflora moduliert das Immunsystem

„Die ersten Lebenswochen stellen ein kritisches Zeitfenster dar, in dem das Mikrobiom im Darm die Reifung des Immunsystems prägt“, erklären die Forscher. Ist das Mikrobiom zu diesem Zeitpunkt aufgrund eines Kaiserschnitts nicht günstig, kann dies Monate später die Immunantwort auf Impfungen beeinträchtigen. Als weiteren Einflussfaktor identifizierten De Koff und ihre Kollegen das Stillen: Beispielsweise hatten vaginal geborene Kinder, die in den ersten Lebensmonaten gestillt wurden, 3,5-mal höhere Antikörperwerte als ihre flaschenernährten Altersgenossen.

Die Forscher fanden keine signifikanten Auswirkungen für andere potenzielle Einflussfaktoren, darunter die Verabreichung von Antibiotika, Haustiere und Geschwister. Allerdings war die Zahl der untersuchten Fälle relativ gering: Von ursprünglich 120 Säuglingen nahmen 101 an der Nachuntersuchung mit zwölf Monaten und 66 an der Nachuntersuchung mit 18 Monaten teil. Inwieweit unterschiedliche Antikörperspiegel im Speichel darauf hindeuten, dass Kaiserschnittkinder möglicherweise weniger gut vor Begleiterkrankungen geschützt sind, lässt sich aus der aktuellen Studie nicht ableiten.

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Unterstützen Sie das Mikrobiom frühzeitig

„Ich glaube nicht, dass eine Änderung der Impfstoffe selbst eine Folge dieser Studie sein wird“, kommentiert Infektiologin Maria Vehreschild vom Universitätsklinikum Frankfurt, die nicht an der Studie beteiligt war. „Vielmehr sehe ich hier Potenzial für die Entwicklung mikrobiotabasierter Therapien, die in der Immunreifungsphase des Neugeborenen gegeben werden können, um später ein optimales Impfergebnis zu erzielen.“ Das sieht Kinderarzt Michael Zemlin vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg so: „Letztendlich geht es nicht nur um die Impfantwort, sondern um die Immunantwort gegen alle möglichen Krankheitserreger, denen wir im Leben begegnen“, kommentiert er.

Quelle: Emma de Koff (Wilhelmina Kinderkrankenhaus und Universitätsklinikum Utrecht, Niederlande) et al., Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-022-34155-2

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