Fleisch: Leere Regale und 40 Prozent teurer? Hersteller warnen vor Krise

DDie Fleischwirtschaft in Deutschland warnt vor Lieferengpässen, insbesondere bei Schweinefleisch. „In vier, fünf, sechs Monaten werden wir Lücken in den Regalen haben“, prognostiziert Hubert Kelliger, Leiter des Gruppenvertriebs bei der Großmetzgerei Westflish und Vorstandsmitglied des Verbands der Deutschen Fleischindustrie (VDF).

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Seine Erklärung: Aufgrund schlechter Rahmenbedingungen geben derzeit viele Tierhalter ihre Zuchtschweine auf oder reduzieren sie. “Das bedeutet, dass es in den kommenden Monaten zwangsläufig weniger Lagerbestände geben wird.” Und dass die Preise noch einmal deutlich steigen werden. “Dass 20, 30 oder 40 Prozent heute noch nicht erklärt werden können – aber es wird noch einmal deutlich steigen.”

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Die Branche sieht ihre Verantwortung vor allem in den Händen der Politik. „Die aktuelle Bundesregierung will die Tierhaltung abschaffen und die Ernährung in Deutschland auf Gemüse und Haferflocken umstellen“, sagte Kellinger mit Blick auf die Aussage von Bundeslandwirtschaftsminister Sem Özdemir (Grüne). Die Tierhaltung, so die Idee, soll hierzulande um 50 Prozent reduziert werden, um Themen wie Tierwohl und Klimaschutz voranzutreiben.

Quelle: Infografik WELT

Dadurch fehlt es Tierbesitzern an der nötigen Unterstützung und vor allem an Perspektiven. Vor allem beim Baurecht für neue und verbesserte Stabilität gibt es keine Fortschritte. “Parteiprogramme werden eindeutig gefahren”, kritisierte Kelliger. Die gesellschaftliche Realität sieht ganz anders aus.

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Die Fleischindustrie bestreitet nicht, dass die vegetarische oder vegane Ernährung in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist. Aber es stimmt, dass immer noch mehr als 90 Prozent der Menschen in Deutschland Fleisch kaufen und essen“, sagte Kelliger und verwies auf eine Analyse des Verkaufsblattes der Verbraucherforscher GfK.

Ebenso wichtig ist die heimische Produktion. Deutschland bewegt sich derzeit jedoch in eine ganz andere Richtung. Und Kelliger hält das für gefährlich – weil neue Abhängigkeiten entstehen.

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„Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir den Zeitpunkt kalkulieren können, an dem wir uns nicht mehr mit Fleisch versorgen können“, aber Deutschland mache die gleichen Fehler bei der Energieversorgung.

Tatsächlich werden inzwischen immer mehr Fleisch und Fleischteile importiert. „Deutschland ist mittlerweile der größte Fleischimporteur in Europa“, sagt Gereon Schulze-Althoff, VDF-Vorstandsmitglied und Senior Sustainability and Quality Manager.

Deshalb sieht er die Branche an der Schwelle: „Die Gefahr ist groß, dass wir geradewegs in eine Ernährungskrise stürzen, die parallel zur Energiekrise verläuft.“ Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage müssen Politiker genau verstehen, wie wichtig dies für ihre eigene Sache ist. – fair genug. „Allerdings vernachlässigen wir unsere Marktposition bei Fleisch und Fleischwaren“, kritisiert Schulz-Althoff.

Eine scharfe Kritik an Özdemir

Landwirtschaftsminister Özdemir hält die Zertifizierung von Tierwohl und Klimaschutz für völlig falsch. „Das sind ideologische Konzepte aus der Vergangenheit. Gegenwart und Zukunft sind sehr unterschiedlich.

Die Situation in Deutschland habe sich längst deutlich verbessert, sagt Schulz-Althoff und beruft sich auf Daten des Umweltbundesamtes, wo die Landwirtschaft bis 2021 Treibhausgase freisetzte und letztlich der größte nationale Klimawandel war.

Auch andere Experten schätzen, dass Deutschland weltweit der effizienteste Produktionsstandort für tierische Produkte ist. „Eine Folge der Zunahme der Viehbestände in Deutschland ist die Verlagerung der Fleischproduktion in Gebiete mit weniger Klimaschutz“, sagt Schulz-Althoff. Aber das würde das Klima stark reduzieren.

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Gleichzeitig weist der Manager auf die notwendige Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft hin. “Für den Gemüseanbau in Deutschland braucht man Dünger.”

Und dafür gibt es zwei Möglichkeiten, zum einen Kunstdünger auf Basis von Gas und Öl und zuletzt sehr teuer und teuer – zum anderen natürlicher Dünger aus der Tierhaltung.

„Wenn aber Mist und Gülle verschwinden, wird in Deutschland eine auf fossilen Brennstoffen basierende Landwirtschaft entstehen“, erklärt Schulz-Althoff. Kein Fleisch, kein Gemüse: Das ist die Devise der Fleischindustrie.

Das Ausland kann in die Bresche eintreten.

Ausländische Anbieter positionieren sich bereits. „Die europäischen Marktteilnehmer haben kein Vertrauen in die Ziele der deutschen Agrarpolitik“, sagt die Branche. So wird die Schweineproduktion in Spanien seit langem stark ausgebaut, teilweise mit staatlicher Unterstützung für Schweinehalter.

Und die Industrie wird laut Meat Industry Association in einigen Ländern auch von Regierungen subventioniert. Zumal die Konkurrenz die jüngste Nachfrageschwäche hierzulande für vorübergehend hält.

Wie VDF. „Die Verbraucher achten auf ihr Geld“, sagt Branchenvertreter Kelliger, mindestens zehn Prozent Rabatt oder umgerechnet 80.000 Tiere pro Woche zwischen Januar und August.

Quelle: Infografik WELT

Das zeigt auch der Branchenwandel. „Bei Würstchen beispielsweise in der Preisklasse der Einstiegsklasse sehen wir einen Zuwachs von 20 bis 30 Prozent der Sorte.“

Diese Preisgestaltung bestätigt die „Branchen-Echo Fleischwirtschaft“-Umfrage der 100 umsatzstärksten Unternehmen der deutschen Fleisch- und Wurstindustrie von der Unternehmensberatung Ebner Stolz und der DFV Mediengruppe.

Nur 89 Prozent der Teilnehmer zeigten eine veränderte Nachfrage nach günstigeren Produkten. „Gelbe Würste, Brühwürste und Leberwürste aus hochgelegenen Rassen ersetzen die in vielen Marktkarren zu findenden Spezialitäten oder Artikel“, so die Studie gegenüber WELT.

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Ebenso sehen nur 33 Prozent der Befragten einen Bedarf an besseren Tierprodukten. Dieser Anspruch steckt nicht nur hinter den Bedürfnissen der Kunden, sondern auch hinter dem Thema nachhaltige Verpackung.

Fleisch- und Wurstlieferanten sehen derzeit steigende Preise und die daraus resultierende Essenszurückhaltung als größte Herausforderung für die kommenden Monate. Negativ wirken sich vor allem die hohen Energiekosten aus, aber auch der Anstieg der Rohstoffpreise, die Logistikkosten – und die Verfügbarkeit sinkt.

Und laut Westflish-Vertreter Kellinger wird dies in den kommenden Monaten noch zunehmen. “Fleisch war damals nicht so erhältlich wie früher.”

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