Ex-Musk-Entwickler will die Welt mit schnellem Internet versorgen

New York Die private Raumfahrtindustrie war lange Zeit nicht so fokussiert wie heute. Der Krieg in der Ukraine zeigt den Unterschied, den Satellitenkonstellationen wie Starlink machen können. Eine Tochtergesellschaft von Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX versorgt das ukrainische Militär mit Highspeed-Internet. Und laut Bulent Altan soll das Internet aus dem All künftig noch schneller werden.

„Die Welt schaut sich derzeit an, was Satelliten alles können“, sagt Manaric Malik. Seiner Vision nach sollen bald viele Satelliten mit der Technik der Munich Space Company ausgestattet sein: Das 2009 gegründete und an den Börsen in Frankfurt und New York notierte Unternehmen stellt hochentwickelte Laser her.

Damit können Flugzeuge, Satelliten und Raketen untereinander und mit Bodenstationen kommunizieren – und das mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde, also deutlich höheren Datenraten als Funk.

Technologie könnte bald wichtiger werden – Beispiel Ukraine-Krieg: „Das russische Militär hat Mobilfunkmasten zerstört. Unterseekabel könnten Ziel zukünftiger Konflikte sein“, sagt Alton. “Und ein Bereich ist bereits vom Internet abgeschnitten.” Ähnliches kann im Falle einer Naturkatastrophe passieren. „Satellitenkonstellationen wie Starlink oder zukünftige europäische Optionen könnten dies verhindern“, sagt Altan.

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Immerhin wurde die Ukraine mit Internet versorgt, Starlink ist weltweit ein Begriff geworden. Doch nur wenige kennen Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX und Altan: Der in Istanbul geborene Manager, der heute in Los Angeles und München lebt, war einer der ersten Mitarbeiter.

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Altan studierte Informatik an der Technischen Universität München, dann Luft- und Raumfahrt in Stanford. Dort lernte er 2004 den Mann kennen, der sein Leben veränderte. “Ich war in einer Gruppe von Studenten, die kleine Satelliten bauten”, sagt er. Eines Tages besucht Elon Musk die Universität und pitcht seine Idee eines privaten Raumfahrtunternehmens. Studenten beeindrucken Unternehmer sofort. “Ich war der Dritte in meiner Gruppe von Freunden, der von Elon eingestellt wurde.”

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Altan erinnert sich lebhaft an das Vorstellungsgespräch. SpaceX hat seinen Sitz in der Nähe von Los Angeles. „Alon sagte: ‚Ich habe gehört, du willst nicht nach LA ziehen, weil deine Frau bei Google arbeitet. Ich habe es bereits getan. [Google-Gründer] Larry Page sprach. Ihre Frau arbeitet jetzt außerhalb von LA. Was sagst du jetzt dazu?’“ Obwohl Google kein Büro in Los Angeles hat, wird der Job von Altans Frau einen Tag später verlegt. Altan zieht nach und startet bei SpaceX.

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Rasantes Wachstum bei SpaceX

Der Ingenieur wacht schnell auf. Als einer der drei Vizepräsidenten verantwortet er die Entwicklung von Flugkörpern und wird Chef der Avionik, also Leiter der Flugkörper- und Kapselsteuerung. Das halbe Jahr ist er unterwegs, meist in Texas und Florida, wo Raketen getestet und gestartet werden. „Ich mag es, Dinge anzufassen. Nur PowerPoint-Folien im Büro anzuschauen, ist nicht mein Ding“, sagt Alton.

2015 und 2016 machte Altan eine Pause von SpaceX und ging zu Airbus. “Aber die Unternehmenskultur war nichts für mich.” Er kehrte zu Musks Firma zurück, bevor er sie 2017 endgültig verließ. „SpaceX ist großartig, aber auch ein etwas introvertiertes Unternehmen. Ich wollte meinen Horizont erweitern und sehen, was wir im europäischen Raum erreichen können“, erklärt er.

Bulent Altan

Der Manager mit türkischen Wurzeln war einer der ersten Mitarbeiter von SpaceX.

(Foto: Minoric)

In München gründete Altan Alpine Space Ventures, einen Risikokapitalgeber für Weltraumprojekte mit Partnern. Zuvor hatte Altan privat in die Raketenfirma Isar Aerospace investiert.

Partner Joram Völklein erklärt die Fähigkeiten von Altan: Er war einer der wenigen Europäer, die in die US-amerikanische Luft- und Raumfahrtindustrie eingestiegen sind: „Bulent spielte eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der wiederverwendbaren Rakete, die den Erfolg von SpaceX überhaupt erst ermöglicht hat.“

Entwicklung Market Space Ledger

Altan will nicht nur als Investor auftreten. 2019 kehrte er auf die operative Seite zurück. Er wird der Kopf von Mynaric. Geschäftsideen locken ihn. „Bei SpaceX haben wir uns schon früh damit beschäftigt, wie Satelliten miteinander kommunizieren können“, erklärt Altan. “Mit Lasern lassen sich Daten schneller und sicherer übertragen.”

Das Ziel: schnellere Internetverbindungen in totraumfreien Autos, auf Schiffen und in Flugzeugen. Ihre größte Kraft entfalten Laser beim Einsatz in Satellitenkonstellationen: Auch wenn ein Satellit keinen Kontakt zu einer Bodenstation hat, kann er über einen Laser mit anderen Satelliten kommunizieren – und damit indirekt mit einer entfernten Bodenstation. Hochleistungsinternet kann es sogar in die entlegensten Teile der Welt schaffen.

Bisher ist das Zukunftsmusik. Die erste Generation der Starlink-Satelliten hat keine Laser an Bord, erst bei der zweiten Generation ist dies Standard. Und die Laserterminals kommen noch nicht von Mynaric – „das wollen wir ändern“, sagt Altan.

Konkurrent Airbus ist seit einigen Jahren im Markt aktiv, SA Photonics rüstet das US-Militär mit Laserterminals aus. Aber Mynaric hat bereits Großkunden gewonnen: Im März erhielt das Start-up einen 36-Millionen-Dollar-Auftrag von Northrop Grumman.

Mynaric hat ehrgeizige Ziele

Mynaric ist noch klein. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Verlust vor Steuern (EBIT) von 2,7 Millionen US-Dollar bei einem Umsatz von 49 Millionen US-Dollar. Aufgrund von Lieferkettenproblemen könnten die Umsätze in diesem Jahr stagnieren, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Auch die Verluste werden zunehmen.

Altan hält sich in Bezug auf Verkaufsziele bedeckt. Er schätzt, dass bis 2030 insgesamt 100.000 Kleinsatelliten benötigt werden, von denen drei Viertel mit Lasern ausgestattet sein könnten.

Ob OneWeb aus Großbritannien, Kuiper von Amazon, Telesat aus Kanada, Starlink oder zukünftige europäische Lösungen: „Es gibt keine westliche Satellitenkonstellation, über die wir nicht sprechen“, sagt Altan. Auch die Bundeswehr ist interessiert. Mynaric beabsichtigt, an einer Demonstrationsmission für die “Secure Connectivity Initiative” der EU zu arbeiten. Die Nachfrage wächst rasant – über 250 Einheiten hat das Unternehmen bereits in den Auftragsbüchern.

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Auch Anleger dürften sich einen schnellen Verkaufserfolg wünschen: Der Aktienkurs ist wie andere Tech-Aktien seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent gefallen. Mynaric ist an der Börse immer noch 108 Millionen Dollar wert. Forrester-Analyst Phil Bruncard hält die Technologie für vielversprechend. „Wenn die Laserkommunikation in Betrieb geht, wird sie die Satellitenindustrie revolutionieren“, sagt er.

Allerdings seien noch Herausforderungen zu bewältigen, sagt Brunkard: “Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen. Die Kommunikation zurück zur Erde kann durch Wolken und Feuchtigkeit gestört werden. Und es gibt keine Abwärtskompatibilität zu bestehenden Satellitenkonstellationen.” Der Weltraumexperte glaubt, dass sich die Technologie durchsetzen wird: “Der Bedarf ist da.”

Anfang 2023 wird Mynaric den bisher wichtigsten Schritt in der Firmengeschichte machen: Eine SpaceX-Rakete wird die ersten mit Mynaric-Lasern ausgestatteten Telesat-Satelliten in den Orbit bringen. Altan will erstmal dabei sein.

Mehr: SpaceX könnte mit einer neuen Finanzierungsrunde zum wertvollsten US-Start-up werden.

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