die Serien “1899” und “Souls”

Streamen

„1899“ und „Soul“ waren zwar nicht ganz erfolgreich – aber gut, dass das deutsche Geheimnis zurück ist.

Zwei deutsche Serienproduktionen fordern den Geist des Zuschauers mit Zeitschleifen und Rätseln heraus. Welcher von beiden ist wertvoller?

Dunkel, mysteriös, verwirrend: Alexandre Willomé, Maria Ehrwalter und Clara Roseger von

Düster, geheimnisvoll, verwirrend: Alexandre Willomé, Maria Ehrwalter und Clara Rosager in der Netflix-Serie „1899“.

Bild: Netflix/Aargauer Zeitung

Wenn eine Film- oder Fernsehfigur plötzlich aus einem Traum gerissen wird und mit großen Augen aufwacht, weiß der Zuschauer: Da steckt mehr dahinter. Ein schwerer Magen vom gestrigen Abendessen ist kaum die Hauptursache für schlechten Schlaf, aber es ist ein ernsteres Geheimnis. Etwas Tiefsitzendes, Schmerzhaftes, Brennendes. Etwas stimmt nicht. Und wir wollen genau wissen, was das ist.

In den beiden aktuellen deutschen Mystery-Serien „1899“ und „Souls“ werden die Menschen in jeder der acht Folgen überraschend oft wachgerüttelt und gemerkt: Hier stimmt etwas nicht. Und so viel sei verraten, dass selbst die Zeit und der Ort, an dem sie leben, denen, die so höflich erzogen wurden, nicht vertraut werden kann.

Die teuerste deutsche Serienproduktion

„1899“ ist die größere, lautere, ehrgeizigere der beiden Serien. Es wurde im September beim Toronto Film Festival uraufgeführt und ist jetzt auf Netflix verfügbar. Dort lieferten seine Macher Jantje Friese und Baran bo Odar vor fünf Jahren mit „Darkness“ einen Überraschungserfolg ab und widmeten sich dann weiteren Projekten. 1899 machten sich beide auf den Weg und gründeten „Babylon Berlin“, die teuerste deutsche Serienproduktion.

Optisch hat es sich gelohnt: Die Veranstaltung ist bombastisch und bietet spektakuläre Ausblicke. Bei den Dreharbeiten kam es zu einem Corona-Notfall, der mit großem Aufwand vor einer LED-Leinwand im Babelsburger Studio gefilmt wurde, wie in einer eigenen Netflix-Doku-Serie zu sehen ist. Die ursprüngliche Kulisse, ein Dampfschiff aus dem späten 19. Jahrhundert inmitten eines tobenden Atlantiksturms, wird mit atemberaubendem Realismus zum Leben erweckt.

Ein kurzer Trailer zum neuen Netflix-Hit “1899”.

Quelle: Netflix

Auf diesem Fantasieschiff geht es zunächst streng hierarchisch zu. Oben wird erstklassig gegessen, arme Einwanderer, die ihr Glück in Amerika versuchen, hocken sich hin, Bergleute schuften im Maschinenraum. Wir kennen viele Menschen aus diesen Schichten sehr gut. Alle müssen sich dem großen Geheimnis stellen, auf einem Schiff zu leben, während sie vor ihrer Vergangenheit fliehen.

Darunter sind eine englische Ärztin (Emily Beecham) und ein deutscher Kapitän (Andres Pietschmann) ebenso wie blinde Passagiere, eine japanische Geisha mit ihrer Mutter oder ein unglückliches französisches Brautpaar. Die verschiedenen Originalsprachen verleihen der Produktion ein globales Flair, das zu Netflix und dem Standort Deutschland passt. Dabei scheint nichts zufällig zu sein, Schiffsnamen wie „Kerberos“ oder „Prometheus“ oder unzählige Symbole oder die Interpretation von Sigmund Freuds Träumen, die Fälle von Agatha Christies „Locked Room“ oder Kate Chopins Befreiungsroman „The Erwachen”.

Und vielleicht liegt hier das Problem: „1899“ ist sehr clever und gleichzeitig etwas leer. Wie ein begabtes Kind, das bei einem Spiel in Sekundenschnelle einen Rubik’s Cube zusammenbaut und nach dem Sieg schweigt. Nach dem ersten Ziehen wird das Mysterium mit den Charakteren und der Wunsch, die Handlung zu lösen, hauptsächlich dazu genutzt, ein Mysterium auf das nächste zu stapeln.

Deutscher Kulturhistorischer Fonds

Die zweite Staffel der Mystery-Serie „Soul“ aus Deutschland, die derzeit auf Sky ausgestrahlt wird, ist ein kleines, intimes Familiendrama. Der Titel mag kryptisch klingen, aber es geht um die Zyklen der Zeit, ein schreckliches Trauma, das drei Geschichten aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft verbindet. Nachdem „1899“ mit Wut beginnt und verklingt, baut sich „Souls“ allmählich auf und gewinnt in den späteren Teilen an Stärke.

Nochmals, was die Schifffahrt betrifft, es ist ein Flugzeug, das nie abgestürzt ist. Jahre später behauptet ein Teenager (Aaron Kisiov), der Pilot des Flugzeugs zu sein. „Souls“ hat Längen, vor allem in den Teilen, die in der Sekte spielen, was in der Zukunft nicht klar ist. Beim Zusammenbau des Rubik’s Cube werden jedoch Aspekte enthüllt, die Sie möglicherweise nicht erwartet haben.

Trailer zur deutschen Serie „Souls“.

Quelle: Himmel

Vor allem aber zeigen beide sehr unterschiedlich großen Serien die Bandbreite und das hohe Potenzial deutscher Produktionen, wenn man an das Mystery-Genre und Anlehnungen an Horror, Krimi und Science-Fiction denkt. Von der Literatur der Schwarzen Romantik (ETA Hoffmann) bis zum Stummfilm („Nosferatu“) schließlich – um nur zwei Beispiele zu nennen – hat das Geheimnisvolle und Unbekannte einen unvergesslichen Fundus für die deutsche Kulturgeschichte geliefert.

Nun sollen auch Streaming-Produkte dazugehören. In einem (literaturerprobten) sequentiellen Format ist dies ohnehin problemlos möglich. Letztendlich schafft jede Episode ein neues Mysterium und schickt das Publikum in den Kaninchenbau. Und so instabil unser aktuelles Mysterium auch ist, wäre Mysterium nicht ein geeignetes Analysewerkzeug? Ein Begleitprogramm für deutsche Ingenieurs- und Technikkunst dürfte es in Zukunft gleich mehrfach geben: Made-in-Germany Mystery.

„1899“: 8 Folgen, auf Netflix
„Souls:“ 8 Folgen, auf Sky.

Source

Auch Lesen :  Trennung bei Peggy und Steff Jerkel nach 24 Jahren Beziehung

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button