Die 25.000-Euro-Frage: Es gibt keinen Grund für eine Jahresendrally

25.000-Euro-Frage
Es gibt keinen Grund, am Ende des Jahres zu sammeln

Gastbeitrag von Andreas Enke

Plötzlich fällt der Aktienmarkt ohne wirklichen Grund. Im Gegenteil, es werden weitere Zinserhöhungen erwartet, wenn die Inflation beseitigt wird. Die meisten optimistischen Anleger sollten vorsichtig sein.

Seit seinem Tief Mitte Oktober hat der USS&P 500, der die 500 größten in den USA notierten Unternehmen umfasst, rund 13 Prozent zugelegt. Das entspricht dem, was die Wall Street normalerweise in zwei vollen Jahren verdient. Der Deutsche Aktienindex Dax stieg sogar noch weiter. Nun hoffen einige Anleger auf eine Jahresendrallye. Aber hier ist Enttäuschung vorprogrammiert.

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Andreas Enke ist einer der Inhaber und Verwaltungsräte der Geneon Vermögensmanagement.

Optimistische Börsenhändler hoffen, dass die US-Notenbank die Zinsen früher als erwartet stoppen wird. Die Fed dürfte ihre Geldpolitik wegen der drohenden Rezession im nächsten Jahr wieder beenden, um die Wirtschaft zu stützen.

Nach der letzten Erhöhung der Leitzinsen liegen sie in den USA aktuell zwischen 3,75 und 4 Prozent. Die Aktienmärkte prognostizieren ein Wachstum von bis zu 4,4 Prozent – ​​damit soll Schluss sein. Jüngste Äußerungen des Fed-Vorsitzenden Jerome Powell weisen jedoch in eine andere Richtung. Der Fed-Präsident sagte kürzlich: “Wir werden so lange weitermachen, wie es dauert, um die Inflation zu reduzieren.” Aber dieser Punkt ist noch nicht erreicht.

Die Inflation in den Vereinigten Staaten erreichte kürzlich 7,7 Prozent. Allerdings kann die Fed die Inflationsrate nur dann wirklich nachhaltig senken, wenn die Leitzinsen die Inflation übersteigen. Da die Kerninflation, also die Inflation ohne Energiekosten und Nahrungsmittel, zuletzt bei 6,3 Prozent lag, müssten die Leitzinsen auf 7 Prozent steigen.

Keine sofortige Wirkung

Zudem reagiert die Geldpolitik zeitverzögert. Im ersten Schritt verteuert eine Erhöhung der Leitzinsen die Kreditaufnahme, was die relative Nachfrage reduziert. Dies zeigt sich aktuell zum Beispiel bei Hypothekendarlehen in Deutschland sehr deutlich. Wenn die Gesamtverschuldung sinkt, gelangt weniger neues Geld in Umlauf, während das Angebot unverändert bleibt. Die Folge ist ein Preisdruck nach unten. Aber das alles braucht Zeit.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die Fed bei der Inflationsbekämpfung nicht zu früh von der Bremse gehen sollte. Dies geschah zweimal in den 70er Jahren. 1970/71 lag die Kerninflation in den Vereinigten Staaten bei 6,5 Prozent, ungefähr dort, wo sie heute ist. Die Zentralbank hat die Leitzinsen auf 9 Prozent angehoben. Tatsächlich sank daraufhin die Inflationsrate, was die Fed veranlasste, die Zinsen zu senken.

Aber der erste Ölpreisschock ließ die Kerninflation im Frühjahr 1975 auf 11 Prozent steigen, woraufhin die Fed die Zinssätze auf 12 Prozent anhob. Und der Wert des Geldes fiel erneut, was die Fed veranlasste, die Zinsen erneut zu senken, bevor die Inflation im Frühjahr 1980 auf über 13 Prozent anstieg. Diesmal reagierte die Notenbank mit einem Rekordzinssatz von über 19 %. Während es die Inflation unter Kontrolle brachte, verursachte es auch eine tiefe Rezession.

Natürlich weiß der heutige Fed-Vorsitzende Powell, was damals passiert ist. Wenn er daraus gelernt hat, dürfte er weiter versuchen, die Inflation mit einer begrenzten Geldpolitik zu senken und nicht vorzeitig zu beenden. Was das für Anleger bedeutet: Bekämpfe niemals die Fed. Sie sollten sich nicht gegen die US-Notenbank wenden. Steigende Zinsen sind Gift für die Aktienmärkte. Es sieht weniger nach einer Jahresendrallye aus, sondern eher nach einer weiteren Korrektur.

25.000-Euro-Frage

Für Anleger, die mit dem Luxus konfrontiert sind, große Geldbeträge – beispielsweise 25.000 Euro – anzulegen, heißt das: Sie sollten nicht in den breiten Aktienmarkt investieren. Von einer Investition in Indexfonds (ETFs) auf den DEX, DOW & Co. ist derzeit abzuraten. Wenn es erforderlich ist, sollte zumindest die entsprechende Investition gesichert werden.

Andererseits können punktuelle Investments in bestimmte Themen je nach aktuellem Umfeld und Timing perspektivisch interessant sein. Dazu gehören die Bereiche Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft, die alle von steigenden Energiekosten und Klimaschutzbemühungen profitieren. Die restlichen Mittel können in kurzfristigen Unternehmensanleihen geparkt werden, die zumindest einen kleinen Inflationsausgleich bieten. Darüber hinaus sollten Anleger Barmittel halten, um im Falle möglicher Korrekturen die Flaute auffangen zu können.

Andreas Enke ist einer der Inhaber und Verwaltungsräte der Geneon Vermögensmanagement. Der Diplom-Kaufmann verfügt über mehr als 25 Jahre Berufserfahrung in der Beratung vermögender Privat- und Firmenkunden bei verschiedenen Großbanken.

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