Deutschlands Reedereien im Aufwind – Sorge um Fachkräfte

Hamburg

Deutschlands Reedereien sorgen sich um Fachkräfte

Am Tollort Terminal im Hamburger Hafen legen Containerschiffe an. Am Tollort Terminal im Hamburger Hafen legen Containerschiffe an.

Am Tollort Terminal im Hamburger Hafen legen Containerschiffe an.

Quelle: Markus Scholz/dpa

Laut der 14. Reederstudie kommen deutsche Reedereien kaum noch mit Energie aus, auch kleine Reeder machen sich mittlerweile ihren eigenen Kassenring. Allerdings machen sie sich große Sorgen um den Fachkräftenachwuchs, denn der ist schwer zu finden.

DTrotz Corona-Epidemie und Ukraine-Krieg sind noch fast alle Reedereien in Deutschland voll ausgelastet, bangen aber um den Nachwuchs an Fachkräften. Der Boom hat auch kleine Reeder erreicht: 93 Prozent der deutschen Hochseereedereien nutzen alle Schiffe voll aus, heißt es in der 14. Reederstudie, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, für die PwC Deutschland vom 12. Interviews mit Entscheidungsträgern deutscher Seereedereien. Auch die Zukunft ist von Zuversicht geprägt: Drei von vier Reedern rechnen mit einer Steigerung.

„Arbeitslose Containerschiffe sind zu einer absoluten Seltenheit geworden“, sagt Andre Wortmann, Leiter des Maritime Capability Center von PwC Deutschland. Gründe dafür sind der pandemiebedingte Geschäftsstau und strukturelle Veränderungen in der Branche nach der Finanzkrise 2009. „Das Problem ist heute nicht mehr Kapazität als Kapazität wegen fehlender Nachfrage, sondern umgekehrt Mangel. Transportkapazität, wenn die Nachfrage stark gestiegen ist“, sagt Burkhard Sommer, Vice President von Wortmann.

74 Prozent der Befragten erwarten einen Anstieg in den nächsten zwölf Monaten – knapp hinter 33 Prozent im ersten Corona-Jahr 2020. Dennoch erwarten fast zwei Drittel der Reeder, dass das weltweite Frachtaufkommen in den nächsten fünf Jahren steigen wird. Im vergangenen Jahr waren es 75 Prozent. Auch nach dem jüngsten starken Anstieg der Charterraten scheint der Weg laut Reedereien zu Ende zu sein. 62 Prozent erwarteten Konstanz, wenn auch auf hohem Niveau.

Der Umfrage zufolge setzen große und umsatzstarke Reedereien überwiegend auf energieeffiziente und umweltfreundliche Neubauten. Kleinere Reedereien planen vor allem aus Finanzierungsgründen eher mit gebrauchten Schiffen. „Außerdem herrscht Unsicherheit darüber, welche regulatorischen und umweltpolitischen Maßnahmen wirklich greifen und wann sich welche Umwelttechnologien und -treiber am Markt durchsetzen werden“, sagte Sommer.

Fast drei Viertel aller Reeder haben in den vergangenen zwölf Monaten neue Mitarbeiter eingestellt – 69 Prozent wollen dies auch im kommenden Jahr tun. Nur 13 Prozent entlassene Arbeiter. „Personalanpassungen bis 2021 haben dazu geführt, dass viele Reedereien kaum Personalabbau hatten, als die Nachfrage nach Transportkapazität im vergangenen Jahr plötzlich explodierte“, sagte Wortman. Nun wird die Verknappung zur Herausforderung für die Branche. Die Personalsituation ist bereits für 55 Prozent der Reeder das gravierendste Problem.

Die russische Aggression in der Ukraine hat auch Folgen für deutsche Reedereien. Etwa die Hälfte glaubt, dass der Krieg die Geschäftsprozesse nachhaltig beeinflussen wird. 40 Prozent erwarteten negative Finanzergebnisse. 14 Prozent gaben hingegen an, vom Krieg profitiert zu haben. Dazu gehören Ertragssteigerungen aufgrund von Fracht- und Charterratenerhöhungen oder Änderungen der Warenströme.

Die Corona-Epidemie hat nach Angaben der Reeder nur sehr geringe Auswirkungen auf das Geschäft. Nur zwölf Prozent glauben, dass die Mehrheit der deutschen Containerreedereien nach der Corona-Krise nur mit staatlicher Unterstützung weitermachen kann (2020: 41 Prozent). „Dieser positive Stimmungsumschwung ist bemerkenswert, weil die Infektionszahlen auf Schiffen nach wie vor hoch sind“, sagte Sommer. In den vergangenen zwölf Monaten hatten 65 Prozent der Reeder Corona-Fälle an Bord (2021: 52 Prozent; 2020: 10 Prozent). Allerdings musste nur jede dritte Reederei ein oder mehrere Schiffe unter Quarantäne stellen.

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