Baidu schickt seine Robotaxi­flotte auf die Straße

Peking Die Zukunft des autonomen Fahrens liegt in einem unscheinbaren Gewerbegebiet am Südrand von Peking. Mindestens so obskur wie die Gegend sind die Autos, die im Minutentakt durch die Straßen der chinesischen Hauptstadt an der Eingangsschranke des Apollo Parks rumpeln. Nur wer genau hinsieht, sieht, dass sein Fahrersitz komplett leer ist.

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Der chinesische Tech-Riese Baidu, in seiner Heimat bekannt für seine Online-Suchmaschine à la Google, hat hier auf mehreren Quadratkilometern ein Testzentrum für seine Roboter-Taxi-Flotte aufgebaut. In einer großen Fabrikhalle hat das Unternehmen alle sechs Generationen seiner fahrerlosen Autos aufgereiht. Die ersten Modelle stammen aus dem Jahr 2013 und durften nur in verlassenen Parkhäusern kurven. Aber mit jedem Schritt nach vorne wurden die Kamerasensoren weniger klobig, designfreundlicher und die Preise moderater.

Der chinesische Stolz gipfelte im Apollo RT6, der erst im Juli der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde. Das äußerlich wie ein klassischer Personenwagen aussehende Auto kommt erstmals ganz ohne Lenkrad aus. „Statt eines Fahrersitzes kann man dort Waren ausladen, einen Bürotisch aufstellen – oder sogar eine kleine Karaoke-Maschine installieren“, sagt ein Baidu-Mitarbeiter, der Reporter über das Gelände führte.

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Die enorme Kostensenkung wird es uns ermöglichen, Tausende von autonomen Fahrzeugen in China einzusetzen.

Robin Lee,

Gründer von Baidu

Doch das Auto, an dessen Karosserie zwölf Kameras und acht Lidar-Sensoren angebracht sind, ist aufgrund seiner Preise eigentlich das Teuerste: Der RT6 kostet pro Stück gerade einmal 250.000 Yuan – umgerechnet rund 36.000 Euro –, was in etwa das Hinterrad ist halb. Einer steht für Robotik. „Die enorme Preissenkung wird es uns ermöglichen, Tausende von autonomen Fahrzeugen in China einzusetzen“, sagte Baidu-Gründer Robin Li bei der Weltpremiere des Autos und trat gegen ein normales Taxi an.

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Bis dahin ist es allerdings noch ein steiniger Weg. Viel hängt nicht nur von den technischen Möglichkeiten ab, sondern vor allem davon, ob und wann die Regulierungsbehörden grünes Licht geben. Doch gerade in diesem Bereich hat die Volksrepublik China einen entscheidenden Vorteil: Immerhin hat die Regierung das autonome Fahren als eine der Zukunftstechnologien identifiziert, die als Wachstumsmotor für das derzeit wirtschaftlich angeschlagene Land funktionieren sollen Dementsprechend kann sie viel schneller und flexibler rechtliche Hebel in Bewegung setzen, als dies in den meisten westlichen Demokratien möglich ist. Unter Fachleuten besteht zum Beispiel bereits Einigkeit darüber, dass es außerhalb Chinas keine geeigneteren und umfangreicheren Teststrecken für fahrerlose Autos gibt.

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Chinas staatliche Reederei Cosco hat in den vergangenen Jahren beeindruckende Fortschritte gemacht – allein im September wurden neue Schiffe im Wert von 3 Milliarden Euro bestellt. Die mögliche Investition in Deutschlands größten Hafen ist jedoch in erster Linie politisch motiviert.

Aber auch im Reich der Mitte wird RT6 erst Anfang nächsten Jahres in Betrieb gehen. Dementsprechend hatten es die Journalisten, die im September die Testfahrt besuchten, mit dem RT5 zu tun: Die Strecke führte nicht – wie noch vor wenigen Monaten üblich – durch ein abgesperrtes Firmengelände. Stattdessen kurven autonome Roboter durch leere, aber zumindest öffentliche Straßen im Süden Pekings.

Vor ein paar Jahren wäre es kaum vorstellbar gewesen, dass sich computergesteuerte Autos durch den extremen Verkehr der Hauptstadt kämpfen würden – kilometerlange Feierabendstaus, Einbrüche und ein Abgasmonstrum, um Taxifahrern ständig die Ehre zu erweisen. Doch im Vergleich zu früher wirkt Peking heute wie ein wahres Mekka für autonome Autos – und das hat auch etwas mit der urbanen Architektur zu tun: Schachtförmige, weitläufig ausgebaute Hauptverkehrsadern, die fast vollständig dazwischen liegen, sind durch einen Zaun getrennt. Verhindern Sie illegale Spurwechsel.

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Wie einfach es ist, mit dem RT5 zu fahren, wird bei einer Tour von rund 15 km überdeutlich. Das Auto lenkt ruckfrei ab, wechselt sanft die Spur und bremst sanft, wenn ein rasender Lieferkurier mit seinem Elektroroller plötzlich die Fahrbahn kreuzt.

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Auf dem Beifahrersitz der Robo-Steuer muss trotzdem ein Mitarbeiter des Unternehmens sitzen – allerdings, versicherte Baidu, sei dies nur gesetzlich bedingt. Technisch ist dies nicht mehr nötig und der Mann muss tatsächlich kein einziges Mal am Finger drehen.

Tolle Pläne

Noch im August machte Baidu weltweit Schlagzeilen, als das Unternehmen die landesweit erste kommerzielle Robo-Tax-Lizenz ohne Sicherheitsfahrer für den RT5 erhielt. Bei näherer Betrachtung ist es jedoch eher ein Hype als ein echter Durchbruch: Fahrerlose Autos dürfen zunächst nur in zwei Städten – Wuhan und Chongqing – und nur zu bestimmten Tageszeiten und in definierten Stadtteilen fahren. Schließlich laufen bereits Gespräche über eine landesweite Ausweitung von Robotertaxis auf weitere Großstädte des Landes. Bis 2025 werden fahrerlose Taxidienste in 65 chinesischen Städten und bis Ende des Jahrzehnts in mindestens 100 verkehren.

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Die größte heimische Konkurrenz kommt von zwei ehemaligen Baidu-Mitarbeitern, die vor sechs Jahren das kalifornische Startup Pony.ai gründeten. Pony.ai, hinter dem Toyota als Investor steht, setzt in der chinesischen Hauptstadt bereits autonome Taxis ein, aus Sicherheitsgründen muss aber weiterhin ein Fahrer auf dem Beifahrersitz Platz nehmen.

Im internationalen Wettbewerb sind die Chinesen in der fahrerlosen Zukunft führend, wenn auch knapp hinter den USA: Cruise mit Sitz im Silicon Valley hat in diesem Jahr bereits kommerzielle Robotik in San Francisco auf den Markt gebracht, und Waymo, das aus dem Google-Imperium hervorgegangen ist. , arbeitet bereits seit 2020 an einem ähnlichen Projekt im US-Bundesstaat Arizona.

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Nach derzeitigem Kenntnisstand scheint der technologische Wettlauf zwischen den beiden Weltmächten konkurrenzlos in Europa entschieden zu werden. Auch ist davon auszugehen, dass geopolitische Spannungen zu zwei relativ autonomen Systemen führen werden.

Zumindest sagt Baidu, es habe keine Pläne, mit seinen Robotertaxis und -bussen ins Ausland zu expandieren. Immerhin ist der heimische Markt mit 1,4 Milliarden Chinesen ziemlich groß. Aber ein Teil der Wahrheit ist, dass nur wenige Kunden in Europa und Amerika in einem Auto voller Kameras und Sensoren sitzen möchten, deren Aufzeichnungen von einem Unternehmen gesammelt werden, das gesetzlich verpflichtet ist, seine Daten an die Regierung zu übermitteln. ein Notfall

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