Albträume verringern durch akustische Assoziationen

Häufige Albträume können die Schlafqualität beeinträchtigen und den Betroffenen große Leiden bereiten. Die Standardbehandlung besteht darin, dass die Betroffenen mit professioneller Unterstützung lernen, positive Versionen ihrer Alpträume zu denken und im Wachzustand zu üben. Eine Studie zeigt nun, dass sich die Wirksamkeit mit einer nächtlichen Erinnerung steigern lässt: Hörten Patienten beim Üben ein Geräusch, das auch während ihrer Traumschlafphase gespielt wurde, reduzierten sich ihre Albträume stärker als bei Probanden mit Standardbehandlung. Weitere Studien sollten klären, inwieweit sich die Ergebnisse verallgemeinern lassen.

Bis zu vier Prozent der Erwachsenen leiden unter chronischen Albträumen. So erleben sie in ihren Träumen Angstsituationen und starke negative Emotionen, die ihre Schlafqualität beeinträchtigen und oft zum nächtlichen Aufwachen führen. Oft sind es die gleichen Szenarien, die den Träumer immer wieder quälen – teils aufgrund früherer traumatischer Erfahrungen, teils ohne ersichtlichen Grund. Vielen Betroffenen hilft die sogenannte Imagery Rehearsal Therapy (IRT, „Ideen einstudieren“). Auf diese Weise lernen sie, ihren Albtraum zu transformieren: Unter Anleitung eines Therapeuten denken sie sich ein positives Ende für den Traum aus und proben tagsüber das veränderte Traumszenario, indem sie es sich so lebhaft wie möglich vorstellen.

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Alpträume neu interpretieren

„Obwohl IRT bei der Behandlung von Alpträumen im Allgemeinen wirksam ist, sprechen etwa 30 Prozent der Patienten nicht auf diese Behandlung an“, erklärt ein Forscherteam unter der Leitung von Sophie Schwartz von der Universität Genf. „Daher werden neue Optionen benötigt, um therapeutische Ergebnisse zu beschleunigen und zu verbessern.“ Eine solche Möglichkeit haben Schwartz und ihre Kollegen nun getestet. Dazu teilten sie 36 Personen mit Alpträumen nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Beide Gruppen erhielten die Standardbehandlung der positiven Traumpraxis.

Während die eine Gruppe keine weitere Behandlung erhielt, lernte die andere Gruppe auch, die Idee des neuen Traumendes mit einem Geräusch zu assoziieren. Dazu spielten die Forscher den Probanden dieser Gruppe immer wieder einen Klavierakkord vor, wenn sie die neue Traumversion übten. Diesen Akkord sollten sich die Probanden auch bei eigenständigen Übungen zu Hause anhören. Die Idee dahinter: Ein Effekt namens „Targeted Memory Reactivation“ (TMR, „Targeted Memory Reactivation“) sorgt dafür, dass uns bestimmte Erinnerungen leichter zurückkommen, wenn wir einen damit verbundenen Reiz wiedererleben. Wenn Sie beispielsweise beim Lernen gerne Musik hören, können Sie die gebufften Inhalte leichter abrufen, wenn Sie dasselbe Musikstück erneut hören.

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Akustische Erinnerung

Diesen Effekt machten sich Schwartz und ihre Kollegen zunutze. Sie wiesen alle Probanden an, zwei Wochen lang jede Nacht ein Stirnband zu tragen, das aufzeichnete, wann sie in den REM-Schlaf eintraten – die Schlafphase, in der die meisten Träume auftreten – und den Ton während dieser Phase wiederholt abspielten. „Wir waren angenehm überrascht, wie gut die Studienprozedere von den Teilnehmern respektiert und vertragen wurden, wie zum Beispiel die tägliche Durchführung der Bildtherapie und das Tragen des Stirnbands in der Nacht“, sagt Schwartz’ Kollege Lampros Perogambros. Um auszuschließen, dass eine nächtliche Schallbelastung für einen möglichen assoziationsunabhängigen Effekt verantwortlich ist, mussten auch Probanden aus der Kontrollgruppe das Stirnband tragen.

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Das Ergebnis: Wie bei der Imaginationswiederholungstherapie erwartet, berichteten alle Probanden während der Behandlung über weniger Albträume. Personen, die Assoziationen mit dem Geräusch hergestellt hatten, hatten jedoch noch weniger Albträume und berichteten häufiger von positiven Gefühlen in ihren Träumen. Selbst bei einer Nachuntersuchung drei Monate später berichteten Personen, die die Kombinationsbehandlung erhalten hatten, von weniger Alpträumen. „Für uns als Forscher und Kliniker sind diese Ergebnisse sehr vielversprechend, sowohl für die Untersuchung der emotionalen Verarbeitung während des Schlafs als auch für die Entwicklung neuer Behandlungen“, sagt Perogambros. In weiteren Studien will das Team nun klären, inwieweit sich die Ergebnisse auf eine größere Zahl von Probanden und unter Einbeziehung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen verallgemeinern lassen.

Quelle: Sophie Schwartz (Universität Genf, Schweiz) et al., Current Biology, doi: 10.1016/j.cub.2022.09.032

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